Wachenbach

Der Name "Wachenbach", so wie er heute üblich ist, findet sich bereits im so genannten Diplom Kaiser Ludwigs des Frommen aus dem Jahr 839. Dort wird anlässlich eines größeren Landtausches zwischen dem Kloster Holzkirchen und dem Grafen Poppo des Waldsassengaus eine Grenzbeschreibung unserer Region gegeben. Wörtlich heißt es:" Inde ad locu qin dr wachenbach. ad steinbach. Inde ad locu qui dr crint ad locu et dictu fisbach. et steinenhaue. h via publicam.
Der Name hat nichts, wie man es durchaus annehmen könnte, mit einer Wache oder auch mit einem Wagen zu tun, wie es die manchmal verwendete Schreibform Wagenbach suggerieren möchte. Bisher habe ich mich mit der Erklärung von Schnetz begnügt, der den Namen in seiner "Älteren Geschichte Neustadts" als "ein durch Wag oder Wehre vielfach in seinem Lauf gestauter Bach" begründet. Allerdings hatte ich hie rschon immer Zweifel, warum der Name schon im 9. Jahrhundert so gelautet haben soll, als das Mühlenwesen im Spessart eher noch am Anfang stand und die Wiesenbewässerung noch nicht erfunden und wegen der geringen Besiedlung auch nicht nötig war.
Im Internet bin ich auf eine neue Erklärung gestoßen, die mir plausibler erscheint:
Dort war aus einem Buch "Die fränkischen Gaugrafschaften Rheinbaierns, Rheinhessens, Starkenburgs und des Königreichs Württemberg" von Dr. Walther Schulze, Druck und Verlag von Pass & Garleb, von 1897 zitiert. Dabei wird ein anderer Bach gleichen Namens erklärt als "Bach des Wachino, Wacho oder Wago (sehr häufiger Name)". Der Bach wäre demnach von den Franken nach dem regionalen Herrscher oder einem Bewohner benannt.


Esselbacher Landbach und Steinmarker Landbach bilden nach ihrem Zusammenlauf den Beginn des Wachenbachs. Hier beginnt demnach der eigentliche Wachengrund. Im Volksmund wird der Bach hier aber häufig "Salzbach" genannt. Die Flurlage auf Steinmarker, sowie auf Kredenbacher Seite heißt Salzberg, die Wiesen unmittelbar neben der Brücke sind die Zollwiesen.

Auf einer alten Karte findet sich auch die Flurbezeichnung "Salzweg". Es dürfte sich hier also um einen Abzweig des Eselsweges handeln, auf dem das Salz aus Bad Orb transportiert wurde. An der Brücke wurde dafür Wegezoll fällig. Nach der Salzbachbrücke gabelt sich der Weg nach Kredenbach und nach Marienbrunn. Bei letzterem Ort steht ein Bildstock, den die "Orber Sälzer" 1705 errichten ließen.

Dreimärker
Dreimärker an der Salzbach

An der Salzbachbrücke treffen die Gemarkungen von Kredenbach, Esselbach und Steinmark zusammen. Von der Brücke aus ist bachaufwärts der Dreimärker sichtbar. Er trägt die Buchstaben CB (Credenbach), EB(Esselbach) und STM(Steinmark). Gesetzt wurde der Stein im Jahre 1811 vom damaligen Distriktmaire Eulenhaupt aus Rothenfels. Die Amtsbezeichnung spiegelt die die französische Vorherrschaft in den Napoleonischen Zeiten wider. Ein Distriktmaire war der Vorgesetzte von mehreren Maires, was damals etwa den heutigen Bürgermeistern entsprach. Und in den Distrikt von Herrn Eulenhaupt gehörten auch die Mairien Esselbach, Steinmark und Kredenbach. Der Distrikt Rothenfels gehörte damals zusammen unter anderem mit dem Distrikt Kreuzwertheim zum Departement Aschaffenburg des Großherzogtums Frankfurt. "Frankfurt" umschloss damals das gesamte Mainviereck.

Hochwasser am Wachenbach
Hochwasser am Wachenbach

Von der Salzbachbrücke aus Richtung Esselbach stand auf der rechten Bachseite einst die Alte Mühle. Gegenüber auf der linken Bachseite stand ein Zollhäuschen, an dem die auf dem Salzweg passierenden Waren verteuert werden mussten. Beides ist auf der Spessartkarte des Nürnbergers Paul Pfinzing von 1562/94 eingezeichnet.

Die Pfinzingkarte aus dem 16. Jahrhundert
Pfinzingkarte

An der Salzbachbrücke um 1940 An der Salzbachbrücke in 2007
Die beiden Bilder vom Gelände um die Salzbachbrücke sind um 1940 bzw. im Jahr 2007 aufgenommen worden. Um 1940 war die Landschaft viel offener, weniger verbuscht und es gab kaum Bäume. Die Landwirtschaft hatte damals eine unvergleichlich größerere Bedeutung. Jeder Quadratmeter wurde landwirtschaftlich genutzt.



Angeschwemmte Schneeglöckchen am Wachenbach
Angeschwemmte Schneeglöckchen am Wachenbach